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Italienisches Erbrecht

Sowohl Italiener, die in Deutschland leben, als auch Deutsche, die über Vermögen in Italien verfügen, sollten sich mit den Regelungen des italienischen Erbrechts vertraut machen und diese bei ihrer Nachlassplanung berücksichtigen. Denn im Erbrecht gibt es einige wesentliche Unterschiede zwischen Italien und Deutschland, sodass in Deutschland geltende Regelungen nicht einfach auf die Vererbung von Vermögen in Italien übertragen werden können. Die Regelungen zum Erbrecht Italiens finden sich im italienischen Reformgesetz zum IPR.

 

 

Gemäß Artikel 46 Abs. 1 des Reformgesetzes orientiert sich das italienische Erbrecht – ebenso wie dies auch in Deutschland praktiziert wird – an der Staatsangehörigkeit des Erblassers. Für Italiener gilt demnach das italienische Erbrecht, während für Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland das deutsche Erbrecht gilt. Ist ein in Deutschland lebender Italiener verstorben, so wird deshalb das zuständige deutsche Nachlassgericht stets darauf verweisen, dass der Erbfall nach dem italienischen Erbrecht zu regeln sei, auch wenn die Erben die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Umgekehrt wenden italienische Gerichte für in Italien lebende Deutsche beziehungsweise für die Vererbung in Italien belegenen Vermögens deutscher Eigentümer das deutsche Erbrecht an. In der Praxis sind dabei jedoch einige Formalitäten und Besonderheiten zu beachten.

Deutsches Testament wird anerkannt

Ein Testament, das in Deutschland rechtwirksam ist, wird von italienischen Gerichten grundsätzlich und ohne Probleme anerkannt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein eigenhändiges oder um ein notariell beglaubigtes Testament handelt. Um den Erben gegebenenfalls aufwendige Behördengänge zu ersparen, kann der Erblasser auch ein zweisprachiges Testament beziehungsweise jeweils ein Testament in deutscher und in italienischer Sprache errichten. Eine Gemeinsamkeit zwischen italienischem und deutschem Erbrecht besteht darin, dass dem Testament jeweils absolute Priorität eingeräumt wird und dass die gesetzliche Erbfolge nur in jenen Fällen gilt, in denen keine letztwillige Verfügung des Erblassers vorliegt.

Große Unterschiede in der gesetzlichen Erbfolge

Tritt die gesetzliche Erbfolge ein, so ergeben sich dabei allerdings zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen dem deutschen und dem italienischen Recht. Zwar regelt auch das italienische Recht die Erbfolge in Abhängigkeit vom Verwandtschaftsverhältnis zwischen Erbe und Erblasser, allerdings wird der Nachlass anders aufgeteilt. Art. 566 des Codice Civile (CC) bestimmt, dass sämtliche Kinder des Verstorbenen zu gleichen Teilen erben, wohingegen alle anderen Verwandten mit Ausnahme eines noch lebenden Ehegatten von der Erbfolge ausgeschlossen sind.

 

 

Der überlebende Ehegatte teilt sich das Erbe mit den Kindern, wobei sich sein Erbteil nach der Zahl der Kinder bemisst. Bei einem Kind erhalten dieses und der überlebende Ehegatte jeweils die Hälfte des Erbes. Sind mehrere Kinder vorhanden, so fällt ein Drittel des Erbes an den Ehegatten, während die übrigen zwei Drittel gleichmäßig unter den Kindern aufgeteilt werden. Darüber hinaus garantiert Art. 540 Abs. 2 CC dem überlebenden Ehegatten für eine zuvor gemeinsam mit dem Erblasser bewohnte Immobilie ein lebenslanges Wohnrecht. Auch den gesamten Hausrat darf der erbende Ehegatte weiterhin nutzen.

Deutscher Erbschein reicht nicht aus

Während ein Testament problemlos anerkannt wird, akzeptieren italienische Gerichte einen deutschen Erbschein nicht. Dieser bestätigt als amtliche Urkunde die Erbberechtigung eines Erben und ist daher für die Nachlassabwicklung zwingend erforderlich. Wenn Vermögen in Italien vererbt wird, muss deshalb von den Erben zunächst das italienische Pendant zu einem deutschen Erbschein beantragt werden. Der Antrag ist an diejenige Behörde zu richten, der auch die Beurkundung von Erbschaftsannahmen obliegt. Auf der Grundlage des Antrags ermittelt die Behörde dann die Erbfolge und stellt die Erben fest. Der Erbschein aus Deutschland dient dabei in der Regel als Grundlage für die Ermittlung der Erben.